Tankrabatt 2.0: Warum Experten vor der Neuauflage der Sprit-Subvention warnen
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Die Bundesregierung plant eine erneute Senkung der Energiesteuer auf Diesel und Benzin. Doch ökonomisch betrachtet könnte der geplante Tankrabatt 2.0 zum teuren Boomerang werden. Profis äußern scharfe Kritik.Altbekanntes Muster, neue Zweifel
Die Energiepreise ziehen an, die Politik reagiert: Die schwarz-rote Koalition plant eine Senkung der Energiesteuer um rund 17 Cent pro Liter. Das klingt für Pendler erst einmal nach einer spürbaren Entlastung an der Zapfsäule. Doch Kenner der Materie schütteln den Kopf. Stattdessen wird die Debatte laut, die wir bereits 2022 führten. Ist dieser Schritt wirklich der Weisheit letzter Schluss?
Warum Ökonomen vom Gießkannen-Prinzip abraten
Experten wie Aaron Praktiknjo von der RWTH Aachen oder DIW-Präsident Marcel Fratzscher sind sich einig: Ein pauschaler Tankrabatt ist ökonomisch ineffizient. Warum? Weil er jeden entlastet. Auch den Gutverdiener im dicken SUV, der die Ersparnis gar nicht zwingend im Alltag braucht. Das Geld fehlt an anderer Stelle, an der es sozialpolitisch deutlich mehr bewirken könnte. Gezielte Einmalzahlungen für Geringverdiener oder Pendler in systemrelevanten Berufen wären laut Experten weitaus treffsicherer als der blind verteilte Rabatt an der Zapfsäule.
Nachhilfe aus dem Jahr 2022
Erinnern wir uns an den Sommer 2022: Damals wurde der Tankrabatt als Waffe gegen die explodierenden Kosten nach dem Beginn des Ukraine-Krieges eingeführt. Das RWI-Leibniz-Institut hat die Zahlen ausgewertet und kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Die volle Entlastung kam nur anfangs bei den Kunden an. Mit der Zeit blieb ein Teil des Rabatts bei den Mineralölkonzernen hängen - gerade dort, wo der Wettbewerb zwischen den Tankstellen ohnehin schwach war.
Die Gefahr falscher Anreize
Ein oft unterschätzter Punkt ist die Lenkungswirkung. Hohe Preise signalisieren Knappheit. Künstlich gedrückte Preise hingegen können zu einem Anstieg der Nachfrage führen, was den Preisanstieg langfristig sogar befeuern könnte. Ökonomin Claudia Kemfert bezeichnet das Vorhaben gar als energiepolitischen Kurzschluss.
Fazit: Brauchen wir wirklich ein Déjà-vu?
Der Tankrabatt 2.0 könnte den Staat pro Quartal über drei Milliarden Euro kosten. Geld, das an anderer Stelle - etwa in der Mobilitätswende oder gezielten sozialen Entlastung - effektiver investiert wäre. Wenn die Regierung den Autofahrern unter die Arme greifen will, sollte sie diesmal auf chirurgische Präzision setzen, statt wieder wahllos die Gießkanne auszupacken. Der bloße Blick auf die Anzeige an der Tankstelle darf nicht die Basis für langfristige Wirtschaftspolitik sein.
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