Bundesbank-Bunker Cochem: Das Ersatzgeld der D-Mark
Sie befinden sich: Home > News Archiv > Inland > Bundesbank-Bunker Co...
Keine Geheimwährung, sondern eine Reserve für den Notfall: Unter einem Moselhang lagerte die Bundesbank jahrzehntelang Ersatzgeld für die D-Mark. Ausgegeben wurde es nie, 1988 kam es in den Schredder.
Am Ortsrand von Cochem steht eine unscheinbare Garage zwischen Einfamilienhäusern. Dahinter liegt der Zugang zum Bundesbank-Bunker Cochem, in dem die Deutsche Bundesbank von 1964 bis 1988 Ersatzbanknoten im Wert von rund 15 Milliarden D-Mark aufbewahrte. Heute führt ein privates Museum durch die Anlage. Das Bild von der „parallelen Geheimwährung“, das um 2004 durch die Presse ging, trifft die Sache nur halb.
Ersatzserie BBk II: Reservegeld statt Parallelwährung
Am 20. Januar 1959 beschloss die Bundesbank, Druckplatten für Reservebanknoten anfertigen zu lassen. Sie sollten bereitliegen, falls eine schwere Störung des Geldumlaufs den Austausch aller Scheine erzwingt. Die Bundesbank selbst nennt vor allem ein Szenario: das plötzliche, massenhafte Auftauchen von Falschgeld, durch Kriminelle oder als politisch gesteuerte Aktion. Die oft erzählte Version von der Vorsorge gegen Hyperinflation findet sich in ihrer eigenen Darstellung so nicht.
Die Serie hieß intern „BBk II“. Gedruckt wurde von 1963 bis 1974, weil die Reserve mit dem wachsenden Bargeldumlauf Schritt halten musste. Die Werte zu 20 und 100 Mark kamen aus der Bundesdruckerei in Berlin, die zu 10 und 50 Mark von Giesecke & Devrient. Insgesamt entstanden knapp 785 Millionen Scheine im Nennwert von rund 29 Milliarden Mark, davon eine eigene Serie für West-Berlin mit zusätzlichem 5-Mark-Schein.
So geheim, wie es später klang, war das nicht. Schon im Monatsbericht vom November 1962 erwähnte die Bundesbank eine verkürzte Ersatzserie. Geheim blieben vor allem der Lagerort und die Einzelheiten. Die Akten wurden erst 2010 nach einer 30-jährigen Sperrfrist zugänglich.
Was die Bundeskassenscheine wirklich waren
Der Begriff „Bundeskassenscheine“ bezeichnet nicht die großen Ersatznoten, sondern eine zweite, kleine Reserve. 1967 druckte die Bundesdruckerei im Auftrag des Bundesfinanzministeriums Scheine zu 5, 10 und 50 Pfennig sowie zu 1 und 2 DM. Sie sollten Münzen ersetzen, denn in Krisen horten Menschen Kleingeld oder schmelzen es ein, sobald das Metall mehr wert ist als der aufgeprägte Betrag. Offiziell ging es darum, einen möglichen Kleingeldmangel zu beheben und großen Fälschungswellen schnell begegnen zu können.
Herausgeber war folgerichtig nicht die Bundesbank, sondern wie bei den Münzen die Bundesrepublik Deutschland. Das Wort „Banknote“ fehlt, Porträts und Bilder auch, als Sicherheitsmerkmal gab es nur Guillochen. Auch diese Scheine lagerten in Cochem. Gültiges Geld waren weder sie noch die BBk-II-Noten je, denn beide wurden nie ausgegeben.
Der Bundesbank-Bunker Cochem im Moselhang
Für die Lagerung kaufte die Bundesbank ein rund 9.000 Quadratmeter großes Grundstück und begann 1962 mit dem Bau. Offiziell entstand ein Schulungszentrum mit Luftschutzraum, eingeweiht waren nur wenige Mitarbeiter. Der Stollen wurde rund 100 Meter in den Schiefer getrieben, in etwa 30 Metern Tiefe. Auf 1.500 Quadratmetern hätten rund 175 Menschen mindestens zwei Wochen autark überleben können, mit eigenem Tiefbrunnen und Luftfiltern.
Herzstück war der Tresorraum mit 60 Zentimeter dicken Wänden, Erschütterungssensoren und einer tonnenschweren Stahltür. Auf rund 140 Quadratmetern stapelten sich Säcke und Kartons bis unter die Decke. Der Rest der BBk-II-Reserve lag im Tresor der Bundesbank in Frankfurt.
Warum das Ersatzgeld 1988 vernichtet wurde
1981 beschloss die Bundesbank eine neue, schwerer zu fälschende DM-Serie, die ab 1990 in Umlauf kam. Die Sicherheitsmerkmale der alten Reserve galten nicht mehr als ausreichend, und mit dem wachsenden bargeldlosen Zahlungsverkehr sank der Nutzen eines solchen Vorrats. 1988 beschlossen Bundesbank und Finanzministerium, das Ersatzgeld zu vernichten. Dabei verschwanden bei beauftragten Entsorgungsfirmen einzelne Scheine. Daher stammen die Stücke, die bis heute in Sammlungen auftauchen. Bietet sie jemand öffentlich an, schreitet die Bundesbank ein und lässt sie als Diebesgut beschlagnahmen.
Den leeren Bundesbank-Bunker Cochem verkaufte die Bank 1994 an die Volksbank Cochem, die dort Schließfächer betrieb. 2014 kauften Petra und Manfred Reuter die denkmalgeschützte Anlage, im März 2016 eröffneten sie die Dokumentationsstätte. Aus dem früheren Schulungszentrum wurde ein Hotel.
Bundesbank-Bunker Cochem besuchen
Den Bundesbank-Bunker Cochem sieht man nur im Rahmen einer Führung, die etwa 45 Minuten dauert. Die Adresse lautet Am Wald 35 in Cochem-Cond. Laut Betreiber (Stand Oktober 2026) gibt es vom 1. Juli bis 1. November 2026 täglich Führungen um 10:30, 11, 12, 13, 14, 15 und 16 Uhr. Von November bis April ist das Angebot deutlich kleiner, meist mit einer Führung um 11:30 Uhr. Am 24. und 25. Dezember sowie am 1. Januar bleibt der Bunker zu.
- Eintritt: Erwachsene 14 Euro, Kinder von 7 bis 17 Jahren 7 Euro, jüngere frei, Familienkarte 36 Euro
- Gruppen ab 20 Personen melden sich vorher an, Einzelgäste kommen ohne Reservierung
- Parkplätze gibt es am Bunker nicht. Zu Fuß sind es ab der Touristinfo rund 800 Meter und 60 Höhenmeter, etwa 20 Minuten
- Von Mai bis Anfang November fährt ein Shuttle ab dem Endertplatz, jeweils 20 Minuten vor der Führung
Im Bunker herrschen das ganze Jahr etwa 12 Grad, eine Jacke gehört also ins Gepäck. Zeiten und Preise können sich ändern: die aktuellen Führungszeiten jetzt beim Bundesbank-Bunker nachsehen.
Ein zweites Stück Kalter Krieg zum Anfassen liegt an der Elbe: das U-Boot-Museum Hamburg mit der sowjetischen U-434.
Häufige Fragen
Hatte Deutschland eine geheime Parallelwährung?
Nein. Die Ersatzserie BBk II und die Bundeskassenscheine waren eine Reserve für den Notfall. Sie liefen nie neben der D-Mark um und waren nie gesetzliches Zahlungsmittel.
Darf man Bundeskassenscheine kaufen oder verkaufen?
Die erhaltenen Stücke stammen aus Diebstählen bei der Vernichtung 1988. Die Bundesbank betrachtet sie als Diebesgut und lässt sie bei öffentlichen Auktionen beschlagnahmen.
Wie lange dauert eine Führung durch den Bundesbank-Bunker Cochem?
Eine reguläre Führung dauert rund 45 Minuten. Themenführungen dauern etwa zwei Stunden.
Neusten News in der Kategorie "Inland"
• Trotz Krise: Deutschland erlebt neues Tourismushoch 498 Millionen Übernachtungen in einem Jahr, mitten in der Wirtschaftsf... |
• Augsburg schlägt München: Kleine Städte liegen beim Glück vo... Augsburg überflügelt München: Laut SKL-Glücksatlas... |
• Hitzewelle in Deutschland: Bis zu 36 Grad am Oberrhein mögli... Deutschland steht vor einer Hitzewelle: Subtropische Luftmassen treibe... |
• Diese Stadt ist laut Studie die glücklichste in Deutschland Kassel ist laut dem SKL-Städteranking 2025 erneut die glückl... |
• Zoo Erfurt verabschiedet sich von Gepardin Jala Der Zoo Erfurt muss sich von einem seiner Lieblinge verabschieden. Gep... |
• Weiße Eier setzen sich durch: Braune Eier bald Vergangenheit... Braune Eier verschwinden zunehmend aus deutschen Supermärkten. Weiße E... |
• Erfurter Zoo sucht neuen Direktor: Biologiekenner gefragt Die Stadt Erfurt sucht einen neuen Direktor für den Zoopark. Nach dive... |
• Keine Angst vor der Konkurrenz: „Ganesha“ im Erf... Erfurts gastronomische Landschaft begrüßt einen neuen Spiel... |
• Überwachungsausbau: Kameras für Erfurts Anger angekündigt Mit der Einführung von Videoüberwachung am Anger in Erfurt bis Ende 20... |
• Erneuerbare Energie: Windkraft Voran Deutschlands Energielandschaft erlebt einen historischen Umbruch: Erst... |


Kommentar schreiben
Teilen Sie uns Ihre Meinung mit. Ihr Kommentar wird nach Pruefung veroeffentlicht.