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Ihre Daten zurückholen: Was Firmen über Sie wissen

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Auskunfteien, Adresshändler, Werbe-Tracker: Über fast jeden kursieren im Netz mehr Daten als gedacht. Welche Rechte Sie haben und wie Sie kostenlos selbst herausfinden, was gespeichert ist, und es löschen lassen.

Blonde Frau im Kleid prüft am Schreibtisch ihre Datenauskunft und nimmt ihre persönlichen Daten in die Hand, Symbol für den Schutz der eigenen Daten.

Jeder Online-Einkauf, jedes Gewinnspiel, jeder Handyvertrag hinterlässt Spuren. Über die Jahre entsteht so bei Auskunfteien und Datenhändlern ein erstaunlich genaues Bild von Ihnen, oft ohne dass Sie es ahnen. Die gute Nachricht: Sie haben das Recht, all das einzusehen und vieles löschen zu lassen, und das kostenlos. Zuerst lohnt ein Blick darauf, wer überhaupt Daten über Sie sammelt.

Wer Daten über Sie sammelt

Die bekanntesten Datensammler sind Auskunfteien wie die SCHUFA, CRIF oder Experian. Sie speichern, welche Konten, Kredite und Verträge Sie haben und ob Sie Ihre Rechnungen pünktlich zahlen, und berechnen daraus einen Score zu Ihrer Kreditwürdigkeit. Daneben gibt es einen großen Markt für Werbedaten: Adresshändler verkaufen Anschriften, und über Apps wird Ihr Verhalten zu Profilen verknüpft. Allein die SCHUFA hat nach eigenen Angaben Daten von rund 68 Millionen Menschen gespeichert, das ist praktisch die gesamte erwachsene Bevölkerung.

Wie genau solche Profile sein können, hat zuletzt eine Recherche zum Handel mit Standortdaten gezeigt.

Wie gläsern wir wirklich sind

Journalisten lag ein Datensatz mit 3,6 Milliarden Standortdaten aus Deutschland vor, der sich rund 11 Millionen Geräten zuordnen ließ und aus nur zwei Monaten stammte. Solche Bewegungsprofile verraten metergenau, wo jemand wohnt, arbeitet und welche Orte er aufsucht, bis hin zu Arztpraxen. Die Daten stammen meist aus zwei Quellen: Entweder geben Sie sie selbst preis, etwa bei Gewinnspielen und Rabattprogrammen, oder sie werden aus öffentlichen Quellen wie dem Melderegister zusammengetragen. Gegen diese Sammelwut sind Sie aber nicht machtlos, denn die Datenschutz-Grundverordnung gibt Ihnen starke Werkzeuge an die Hand.

Diese Rechte haben Sie

Die DSGVO räumt Ihnen mehrere Rechte ein, die alle kostenlos sind. Diese Übersicht zeigt die wichtigsten:

RechtWas es bringtFrist
Auskunfteine vollständige Kopie aller gespeicherten Datenein Monat
Berichtigungfalsche Daten korrigieren lassenein Monat
LöschungDaten entfernen lassen, wenn nichts dagegen sprichtein Monat
EinschränkungDaten sperren statt löschen, oft bei Werbung sinnvollein Monat
WiderspruchVerarbeitung für Werbung sofort stoppensofort

Dass diese Rechte echte Zähne haben, zeigen mehrere wichtige Urteile der letzten Jahre.

Was Gerichte zugunsten der Verbraucher entschieden haben

In den vergangenen Jahren haben die höchsten Gerichte die Rechte der Verbraucher deutlich gestärkt. Diese Entscheidungen sollten Sie kennen:

Eine der wichtigsten Änderungen betrifft den Score selbst, der seit 2026 neu funktioniert.

Der neue SCHUFA-Score 2026

Seit März 2026 berechnet die SCHUFA ihren Score nach einem neuen, offeneren System. Statt eines reinen Prozentwerts gibt es nun eine Skala von 100 bis 999 Punkten, die auf zwölf offengelegten Kriterien beruht. Mit Abstand am wichtigsten ist, ob Sie Ihre Rechnungen zuverlässig zahlen. Daneben zählen unter anderem, wie lange Sie Ihr ältestes Konto schon haben, wie viele Kreditanfragen zuletzt gestellt wurden und ob laufende Kredite bestehen. Wichtig zu wissen: Mehrere Kreditanfragen innerhalb von 28 Tagen werden zu einer zusammengefasst, Sie können also ruhig Angebote vergleichen.

So weit die Theorie der Datensammlung. Jetzt kommt der praktische Teil, mit dem Sie die Kontrolle zurückgewinnen.

So holen Sie Ihre Daten zurück

Mit wenigen Schritten erfahren Sie, was über Sie gespeichert ist, und werden falsche Einträge los. Gehen Sie dabei der Reihe nach vor:

  1. Datenkopie anfordern. Verlangen Sie bei den großen Auskunfteien die kostenlose Datenkopie nach Artikel 15, nicht das kostenpflichtige Zertifikat.
  2. Einträge prüfen. Kontrollieren Sie die Auskunft auf falsche Adressen, alte Verträge und unzulässige Negativeinträge.
  3. Fehler löschen lassen. Schreiben Sie sowohl die Auskunftei als auch die Firma an, die die Daten gemeldet hat.
  4. Sich selbst googeln. Suchen Sie Ihren Namen und lassen Sie Treffer mit Ihren Kontaktdaten über das Google-Tool entfernen.
  5. Werbung stoppen. Tragen Sie sich in die Robinsonliste ein und widersprechen Sie der Weitergabe beim Einwohnermeldeamt.

Damit Sie wissen, an wen Sie sich wenden müssen, hier die wichtigsten Auskunfteien mit ihrer Adresse für die Datenkopie.

An diese Auskunfteien wenden Sie sich

Sie sollten Ihre Datenkopie bei allen großen Auskunfteien anfordern, denn jede speichert eigene Daten. Diese Übersicht hilft:

AuskunfteiAnschrift für die Datenkopie
SCHUFASCHUFA Holding AG, Postfach 10 34 41, 50474 Köln, oder online über meineschufa.de
CRIFCRIF GmbH, Team Selbstauskunft, Friesenweg 4, 22763 Hamburg
Experian (infoscore)infoscore Consumer Data GmbH, Rheinstraße 99, 76532 Baden-Baden
Regis24Regis24 GmbH, Berlin

Ein häufiges Ärgernis sind alte Negativeinträge. Hier lohnt ein Blick auf die Speicherfristen.

Wie lange Einträge gespeichert bleiben

Nicht jeder Eintrag darf ewig bestehen bleiben. Seit 2025 gelten kürzere Fristen, und manche Daten müssen sofort gelöscht werden. Diese sollten Sie aktiv einfordern: nachweislich falsche Daten, Einträge ohne Rechtsgrundlage, Verträge, die ganz normal ohne Zahlungsprobleme beendet wurden, sowie Forderungen, die Sie schnell beglichen haben. Eine beglichene Forderung wird unter bestimmten Bedingungen nur noch 18 statt früher 36 Monate gespeichert. Bei beendeten Zahlungsstörungen prüfen die Auskunfteien inzwischen den Einzelfall, statt starr eine feste Frist anzuwenden. Neben den Auskunfteien sammeln aber auch Suchmaschinen Daten über Sie, und auch dort können Sie aufräumen.

Sich selbst aus dem Netz entfernen

Was über Sie öffentlich auffindbar ist, sehen Sie am schnellsten, wenn Sie Ihren eigenen Namen suchen. So gehen Sie vor und werden unerwünschte Treffer los:

Ein wichtiger Hinweis dazu: Google entfernt nur den Link aus der Trefferliste, der eigentliche Inhalt bleibt auf der Webseite bestehen. Für die endgültige Löschung müssen Sie den Betreiber der Seite kontaktieren. Ähnlich gezielt können Sie auch die lästige Werbepost eindämmen.

Werbung und Adresshandel stoppen

Gegen Werbung, die über gehandelte Adressen zu Ihnen findet, gibt es mehrere kostenlose Hebel. Tragen Sie sich in die Robinsonliste ein, eine zentrale Sperrliste gegen adressierte Werbung. Widersprechen Sie zusätzlich bei Ihrem Einwohnermeldeamt der Weitergabe Ihrer Daten, etwa an Adressbuchverlage oder für Wahlwerbung, das geht formlos und ohne Begründung. Gegen unadressierte Wurfsendungen hilft ein Aufkleber am Briefkasten. Beachten Sie aber: Die Robinsonliste ist für die Versender nicht verpflichtend, gegen Firmen, bei denen Sie schon Kunde sind, hilft nur der direkte Widerspruch. Besonders hartnäckig hält sich das Tracking auf dem Smartphone, dem wir uns als Nächstes widmen.

Werbe-Tracking am Handy abschalten

Ihr Smartphone vergibt eine Werbekennung, über die Apps Ihr Verhalten verfolgen. Diese lässt sich mit wenigen Tippern stoppen. So gehen Sie je nach Gerät vor:

Gerät oder DienstWas Sie tun sollten
Androidunter Einstellungen, Google, Anzeigen die Werbe-ID löschen
iPhoneApp-Tracking abschalten und die personalisierte Apple-Werbung deaktivieren
Google-Kontoim Anzeigen-Center die personalisierte Werbung ausschalten
Facebook und Instagramin den Werbepräferenzen die Daten der Werbepartner einschränken

So sehr diese Schritte helfen, lauern beim Datenschutz auch einige Fallen, die Sie kennen sollten.

Diese Fallen sollten Sie kennen

Rund um das Thema tummeln sich unseriöse Angebote und falsche Versprechen. Mit diesem Wissen tappen Sie nicht hinein:

Besonders ernst wird es, wenn Fremde Ihre Daten missbrauchen. Für diesen Fall sollten Sie einen Plan haben.

Notfallplan bei Identitätsdiebstahl

Tauchen plötzlich unbekannte Rechnungen, Mahnungen oder Abbuchungen auf, könnte Ihre Identität missbraucht worden sein. Handeln Sie dann rasch und in dieser Reihenfolge:

  1. Konten sperren. Informieren Sie Ihre Bank und sperren Sie betroffene Karten über den Notruf 116 116.
  2. Anzeige erstatten. Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei, oft geht das online über die Internetwache.
  3. Auskunfteien informieren. Melden Sie den Missbrauch der SCHUFA und lassen Sie einen Sperrvermerk eintragen.
  4. Passwörter ändern. Sichern Sie vor allem Ihr E-Mail-Konto neu und aktivieren Sie den Zwei-Faktor-Schutz.
  5. Mahnungen widersprechen. Widersprechen Sie unberechtigten Forderungen schriftlich und fristgerecht.

Eine echte und kostenlose Anlaufstelle bei all diesen Fragen ist die Verbraucherzentrale:

Verbraucherzentrale: Was dürfen Schufa und Co.?

Jetzt sind Sie dran

Haben Sie schon einmal eine Datenkopie angefordert und nachgesehen, was über Sie gespeichert ist? Oder einen falschen Eintrag löschen lassen? Teilen Sie Ihre Erfahrung in den Kommentaren. So profitieren auch andere von Ihren Tipps, um die Kontrolle über ihre Daten zurückzugewinnen.



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