Steuererklärung selbst machen: So holst du Geld zurück
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Fast neun von zehn bekommen Geld zurück, im Schnitt 1.172 Euro. Trotzdem schenken viele dem Finanzamt ihr Geld, weil sie die Formulare scheuen. Dabei reicht ein günstiges Programm oder das kostenlose ELSTER. Was du wissen musst, Schritt für Schritt.Fast neun von zehn Arbeitnehmern bekommen nach der Steuererklärung Geld zurück, im Schnitt 1.172 Euro. Trotzdem schenken viele dem Finanzamt dieses Geld, weil sie die Formulare scheuen. Dabei brauchst du dafür keinen Steuerberater. Ein günstiges Programm oder das kostenlose ELSTER genügt.
Bleibt die Frage, die sich die meisten zuerst stellen: Muss ich das überhaupt?
Muss ich überhaupt eine Steuererklärung abgeben?
Das hängt davon ab, ob du verpflichtet bist oder freiwillig abgibst. Ungefähr die Hälfte aller Arbeitnehmer muss. Das Finanzamt verlangt eine Erklärung unter anderem dann, wenn:
- du und dein Partner die Steuerklassen III und V oder IV mit Faktor habt,
- dir ein Freibetrag in den Lohnsteuerdaten eingetragen wurde,
- du Nebeneinkünfte über 410 Euro hattest, etwa aus Vermietung,
- du Lohnersatz über 410 Euro bezogen hast, also Arbeitslosen-, Kurzarbeiter-, Kranken- oder Elterngeld,
- du bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt warst,
- du eine Abfindung mit Fünftelregelung erhalten hast, die es seit 2025 nur noch über die Steuererklärung gibt.
Alle anderen dürfen freiwillig abgeben. Und genau das lohnt sich fast immer. Wer Werbungskosten über dem Pauschbetrag hat, den Job gewechselt oder geheiratet hat, holt sich oft mehrere Hundert Euro zurück. Dazu kommt ein angenehmer Sicherheitspuffer: Kommt wider Erwarten eine Nachzahlung heraus, ziehst du die freiwillige Erklärung einfach wieder zurück.
Ob Pflicht oder freiwillig, am Ende entscheidet ein einziges Datum darüber, ob es entspannt bleibt oder teuer wird.
Diese Fristen solltest du kennen
Für die Pflichtabgabe zählt der 31. Juli des Folgejahres. Wer freiwillig abgibt, hat mit vier Jahren deutlich länger Zeit. Die wichtigsten Termine für die Steuererklärung 2025 im Überblick:
| Fall | Frist |
|---|---|
| Pflichtabgabe, selbst erstellt | 31. Juli 2026 |
| Pflichtabgabe mit Berater oder Lohnsteuerhilfeverein | 1. März 2027 |
| Freiwillige Abgabe | 31. Dezember 2029 |
Wer die Pflichtfrist reißt, zahlt drauf. Der Verspätungszuschlag liegt bei 0,25 Prozent der Steuer pro Monat, mindestens aber 25 Euro für jeden angefangenen Monat. Landet die Zahlung zu spät beim Finanzamt, kommt noch ein Säumniszuschlag von einem Prozent monatlich obendrauf. Bei einer Erstattung drückt das Amt dagegen oft ein Auge zu.
Steht der Termin, fehlt nur noch das passende Werkzeug.
ELSTER oder Steuerprogramm?
Zwei Wege führen zum Ziel. ELSTER ist das offizielle Portal der Finanzverwaltung und kostet nichts. Der Haken: Es rechnet nur, es berät nicht. Du musst selbst wissen, was absetzbar ist. Wer das nicht weiß, verschenkt schnell mehr, als ein Programm kostet.
Steuerprogramme und Apps führen dich dagegen mit Fragen durch die Erklärung und zeigen live, was zurückkommt. Sie kosten zwischen 30 und 46 Euro, und diese Ausgabe setzt du im nächsten Jahr selbst wieder ab.
| Werkzeug | Typ | Kosten | Für wen |
|---|---|---|---|
| Mein ELSTER | Amtlich, Web | 0 € | Geübte, die sich auskennen |
| CHECK24 Steuer | App | 0 € | Arbeitnehmer, Rentner, Studenten |
| WISO Steuer | Software, App | ca. 46 € | Alle Fälle, auch Selbstständige |
| smartsteuer | Web | ca. 36 € | Etwas komplexere Fälle |
| Taxfix | App | ca. 40 € | Einfache Fälle |
Stiftung Warentest kürte 2026 die kostenlose CHECK24-App und die WISO-Software zu Testsiegern. Für den klassischen Arbeitnehmer reicht die App locker. Sobald Vermietung oder eine Selbstständigkeit dazukommen, ist die Vollsoftware die bessere Wahl.
Noch ein Tipp, bevor es losgeht: Lege dein ELSTER-Konto früh an, selbst wenn du ein Programm nutzt. Der Freischaltcode kommt per Post und braucht bis zu zwei Wochen.
Egal, womit du arbeitest, der eigentliche Gewinn steckt an einer anderen Stelle.
Hier liegt das Geld: Was du absetzen kannst
Jeder Arbeitnehmer bekommt automatisch 1.230 Euro als Werbungskostenpauschale angerechnet. Erst was darüber liegt, bringt extra Geld. Diese Schwelle ist schneller geknackt, als die meisten denken. Oft reicht schon der tägliche Arbeitsweg.
| Posten | Betrag 2025 |
|---|---|
| Werbungskostenpauschale (automatisch) | 1.230 € |
| Pendlerpauschale | 30 ct/km bis 20 km, 38 ct/km ab dem 21. km |
| Homeoffice-Pauschale | 6 € pro Tag, max. 1.260 € im Jahr |
| Arbeitsmittel, Fortbildung, Bewerbungen | tatsächliche Kosten |
Ab 2026 wird die Pendlerpauschale einfacher. Dann gelten einheitlich 38 Cent ab dem ersten Kilometer.
Neben dem Job zählen auch private Ausgaben. Den größten Block machen Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung aus. Dazu kommen Spenden, Kirchensteuer und Kinderbetreuung. Für Familien wurde Letzteres 2025 spürbar besser: Statt zwei Dritteln sind jetzt 80 Prozent der Betreuungskosten absetzbar, bis zu 4.800 Euro pro Kind.
Am meisten unterschätzt wird der Bonus für Arbeiten rund ums Haus. Den ziehst du direkt von der Steuer ab, nicht nur vom Einkommen.
| Leistung | Absetzbar | Höchstbetrag |
|---|---|---|
| Haushaltsnahe Dienstleistungen (Reinigung, Garten, Pflege) | 20 % | 4.000 € |
| Handwerkerleistungen (nur Lohnkosten) | 20 % | 1.200 € |
| Minijob im Haushalt | 20 % | 510 € |
Eine Bedingung gibt es: Du musst überweisen. Wer den Handwerker bar bezahlt, verliert den Bonus komplett. Und auch Mieter holen sich hier Geld, nämlich über die Nebenkostenabrechnung.
Wer etwas angelegt hat, sollte zuletzt den Sparer-Pauschbetrag prüfen. 1.000 Euro Kapitalerträge bleiben steuerfrei, bei Paaren sind es 2.000 Euro.
So viel zur Theorie. In der Praxis läuft die Erklärung in wenigen Schritten ab.
Schritt für Schritt zur fertigen Erklärung
Der größte Aufwand ist nicht das Ausfüllen, sondern das Sammeln. Wer seine Unterlagen beisammen hat, ist in ein, zwei Stunden durch.
- Unterlagen zusammensuchen: Lohnsteuerbescheinigung, Nachweise zu Versicherungen, Spendenquittungen, Handwerkerrechnungen samt Überweisungsbelegen.
- Werkzeug wählen, also ELSTER oder ein Programm.
- Vorausgefüllte Erklärung nutzen. Das Finanzamt hat viele Daten schon gespeichert und überträgt sie auf Knopfdruck. Das spart Tipparbeit und beugt Fehlern vor.
- Einnahmen und Ausgaben eintragen. Gute Programme zeigen dabei laufend die voraussichtliche Erstattung.
- Prüfen und elektronisch senden. Eine Unterschrift brauchst du bei der Online-Abgabe nicht.
- Belege aufheben, aber nicht mitschicken. Das Amt fragt nur nach, wenn es etwas genauer wissen will.
Nach dem Absenden heißt es warten. Aber nicht ewig.
Der Bescheid kommt: jetzt genau hinschauen
Meist dauert die Bearbeitung ein paar Wochen, in kniffligen Fällen auch zwei bis drei Monate. Bundesweit starten die Finanzämter Mitte März mit der Prüfung.
Ist der Bescheid da, vergleich ihn mit den Zahlen aus deinem Programm. Weicht das Amt ab, lohnt ein zweiter Blick. Du hast einen Monat Zeit, formlos Einspruch einzulegen. Ein kurzer Satz reicht zunächst, die Begründung kannst du nachreichen.
Ein Wort der Vorsicht: Beim Einspruch prüft das Finanzamt den ganzen Bescheid noch einmal. Theoretisch kann dabei auch etwas zu deinem Nachteil auffallen. Droht das, ziehst du den Einspruch einfach zurück.
Damit es gar nicht erst zu Ärger kommt, hilft ein Blick auf die typischen Stolperfallen.
Die häufigsten Fehler
An denselben Stellen geht es jedes Jahr schief:
- Belege werden gar nicht gesammelt, und am Jahresende fehlt der Überblick.
- Der Handwerker wird bar bezahlt, womit der Steuerbonus weg ist.
- Werbungskosten werden unterschätzt, dabei ist der Pauschbetrag oft schon durch den Arbeitsweg überschritten.
- Kosten landen in der falschen Zeile. Das Amt streicht sie dort, trägt sie aber nicht selbst an die richtige Stelle.
- Haushaltsnahe Leistungen aus der Nebenkostenabrechnung werden vergessen.
Die meisten dieser Fehler kosten bares Geld, und alle sind leicht zu vermeiden. Sammle Rechnungen über das Jahr in einem Ordner und zahl alles per Überweisung. Das allein erspart die teuersten Patzer.
Bleibt eine letzte Frage: Schaffst du das allein, oder brauchst du Hilfe?
Allein oder mit Hilfe?
Für die meisten Arbeitnehmer ist ein Programm der schnellste und günstigste Weg. Es gibt aber zwei Fälle, in denen sich Hilfe auszahlt.
Ein Lohnsteuerhilfeverein ist für Angestellte, Rentner und Studierende gedacht. Der Jahresbeitrag richtet sich nach dem Einkommen und liegt im Schnitt bei rund 150 Euro. Dafür übernimmt der Verein alles, von der Erklärung bis zum Einspruch.
Ein Steuerberater rechnet sich vor allem bei Selbstständigkeit, Vermietung oder Einkünften aus dem Ausland. Einfache Erklärungen starten bei 300 bis 500 Euro, mit dem Aufwand steigt der Preis. Dafür verschiebt sich deine Abgabefrist automatisch bis ins nächste Frühjahr.
Für alles andere gilt: Trau dich. Die eine Stunde Arbeit ist im Schnitt über tausend Euro wert.
Und wie machst du es?
Füllst du deine Steuererklärung selbst aus oder gibst du sie lieber ab? Hast du einen Kniff, mit dem du jedes Jahr besonders viel zurückholst, oder hakt es gerade an einer bestimmten Stelle? Schreib es unten in die Kommentare. Vielleicht hilfst du damit genau der Person, die gerade ratlos vor dem leeren Formular sitzt.
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