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Hans Koschnick: Bremens Bürgermeister und Brückenbauer

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Jüngster Regierungschef eines Bundeslandes, Werftenkrise, Danzig und Mostar: Hans Koschnick hat Bremen geprägt wie kaum ein anderer Politiker. Ein Rückblick auf sein Leben.

Frau im dunklen Etuikleid mit Blazer auf dem Bremer Marktplatz vor dem Rathaus und der Rolandstatue, darüber der Schriftzug Bremer Brückenbauer

Wer in Bremen landet, landet bei ihm. Seit 2017 trägt der Flughafen den Namen „Bremen Airport Hans Koschnick“. Für viele Bremer war das keine Frage: Hans Koschnick war 18 Jahre lang Bürgermeister, und er blieb auch danach eine Stimme, die man in der Stadt und weit darüber hinaus hörte.

Kindheit in Gröpelingen

Hans Koschnick wurde am 2. April 1929 in Bremen geboren. Sein Vater Johannes war kommunistischer Gewerkschafter und saß in der NS-Zeit in Haft, im September 1944 fiel er in Finnland. Auch die Mutter wurde wegen Widerstands festgenommen. Der Junge wuchs bei den Großeltern in Gröpelingen auf, mitten im Arbeiterviertel rund um die Werften.

Nach einer Verwaltungsausbildung trat er im Mai 1950 in die SPD ein. Von 1951 bis 1954 arbeitete er als Bezirkssekretär der Gewerkschaft ÖTV. 1955 zog er mit 26 Jahren in die Bremische Bürgerschaft ein.

Vom Innensenator zum Bürgermeister

1963 wurde Hans Koschnick Innensenator. Vier Jahre später, am 28. November 1967, wählte ihn die Bürgerschaft zum Bürgermeister und Präsidenten des Senats. Er war damals der jüngste Regierungschef eines Bundeslandes. Im Amt blieb er bis zum 17. September 1985, dann trat er auf eigenen Wunsch zurück. Sein Nachfolger wurde Klaus Wedemeier.

In diese Jahre fallen Entscheidungen, die Bremen bis heute sichtbar prägen. Am 14. Oktober 1971 übergab Koschnick im Rathaus dem Gründungsrektor die Schlüssel der neuen Universität. Die Hochschule nannte ihn später ihren wichtigsten Wegbereiter und verlieh ihm 2004 die Ehrendoktorwürde. Wer mehr über diese Rolle wissen will, kann jetzt den Nachruf der Universität Bremen lesen. Zugleich wurde der Hafen mit dem Containerterminal ausgebaut, und zwischen 1979 und 1982 entstand das Mercedes-Werk.

Die bitterste Phase kam am Ende seiner Amtszeit. Ende 1983 schloss Krupp die Werft AG Weser, rund 2.200 Menschen verloren ihre Arbeit. Für Koschnick, der selbst aus Gröpelingen stammte, war das ein Einschnitt, der die Stadt über Jahrzehnte beschäftigte. Auf dem Werftgelände entstand später der Space Park, der nach nur 227 Tagen wieder schloss.

Versöhnung mit Polen

Über Bremen hinaus bekannt wurde Koschnick als Politiker der Aussöhnung. Am 12. April 1976 unterzeichnete er die Städtepartnerschaft zwischen Bremen und Danzig, die erste zwischen einer westdeutschen und einer polnischen Stadt. Danzig ernannte ihn 1994 zum Ehrenbürger. In der Bundes-SPD war er von 1975 bis 1979 stellvertretender Vorsitzender unter Willy Brandt, zweimal war er Präsident des Bundesrates.

Hans Koschnick in Mostar

Nach dem Bürgermeisteramt saß Koschnick von 1987 bis 1994 für den Wahlkreis Bremen-West im Bundestag. Dann übernahm er eine Aufgabe, die viele für unlösbar hielten. Von Juli 1994 bis April 1996 war er Administrator der Europäischen Union in der zerstörten bosnischen Stadt Mostar.

Die Arbeit war gefährlich. Schon 1994 zerstörte ein Granatenangriff sein Hotelzimmer, er blieb unverletzt. Im Februar 1996 umstellte ein Mob kroatischer Nationalisten seinen gepanzerten Wagen, es fielen Schüsse. Wenige Wochen später kündigte Koschnick seinen Rückzug an, weil die EU-Außenminister den Verantwortlichen aus seiner Sicht zu weit entgegenkamen. Von Dezember 1998 bis Dezember 1999 kümmerte er sich als Beauftragter der Bundesregierung noch einmal um Bosnien, diesmal um die Rückkehr von Flüchtlingen.

Ehrungen und Abschied

1999 wurde Hans Koschnick Ehrenbürger Bremens. Das Bundesverdienstkreuz lehnte er ab, so wie es in der hanseatischen Tradition üblich ist. Er starb am 21. April 2016 im Alter von 87 Jahren in Bremen. An der Trauerfeier nahmen mehr als 1.000 Menschen teil, darunter Bundespräsident Joachim Gauck. Begraben ist Koschnick in einem Ehrengrab auf dem Riensberger Friedhof.

Neben dem Flughafen erinnert seit 2023 auch der Bürgermeister-Koschnick-Platz in Gröpelingen an ihn, also genau dort, wo er aufgewachsen ist. Der neu gestaltete Platz wurde 2024 mit einem internationalen Architekturpreis ausgezeichnet.

Was von ihm bleibt

Koschnick verband zwei Rollen, die selten zusammenpassen: den Stadtpolitiker, der sich um Werften, Hafen und Hörsäle kümmerte, und den Vermittler, der in Danzig und Mostar Brücken zwischen Völkern bauen wollte. Seine Frau Christine, mit der er seit 1954 verheiratet war, nannte er sein „politisches Gewissen“. Dass ausgerechnet der Flughafen, das Tor der Stadt zur Welt, heute seinen Namen trägt, passt deshalb gut.



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