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Space Park Bremen: Geschichte einer teuren Pleite

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Sieben Monate Betrieb, rund 350.000 Besucher und ein Millionenverlust für die Stadt: Die Geschichte des Space Park Bremen und was aus dem Gelände in Gröpelingen wurde.

Frau im hellen Kleid allein in einer leeren Erlebnishalle mit Glaskuppel und Raketennachbau, darüber der Schriftzug Teure Pleite

Am 26. September 2004 gingen im Space Park Bremen die Lichter aus. Nach nur 227 Tagen schloss der Weltraum-Freizeitpark in Gröpelingen. Von den erhofften weit über einer Million Besuchern im Jahr waren gerade einmal rund 350.000 gekommen, und zwar in sieben Monaten. Bis heute gilt das Projekt als eines der teuersten Missverständnisse der Bremer Wirtschaftspolitik.

Die Idee: Raumfahrt zum Anfassen

Die ersten Pläne stammen aus der Mitte der Neunziger. Ein Raumfahrt-Touristenzentrum mit Astronauten-Trainingscamp und Kuppelkino sollte Besucher von weit her nach Bremen locken. Die Stadt hatte gute Gründe, an das Thema zu glauben, schließlich ist Bremen bis heute ein wichtiger Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie. Kalkuliert wurde mit 1,3 Millionen Besuchern pro Jahr.

Von Anfang an gab es Zweifel. 1995 stieg der Raumfahrtkonzern DASA aus den Planungen aus, ein Jahr später fehlte noch immer ein Investor. Der Grünen-Politiker Ralf Fücks sprach damals von einem „galaktischen finanziellen Abenteuer“. Die Projektgesellschaft übernahm schließlich der Bauunternehmer Köllmann.

Bau auf dem Gelände der AG Weser

Gebaut wurde ab Juli 2000 auf einem symbolträchtigen Ort: dem früheren Gelände der Werft AG Weser, die 1983 geschlossen worden war. Der Space Park sollte dem gebeutelten Bremer Westen neue Arbeitsplätze und Besucher bringen. Neben dem Space Center mit 22.000 Quadratmetern Ausstellungs- und Erlebnisfläche entstand ein großes Einkaufszentrum mit rund 120 Ladenflächen.

2002 erklärte Köllmann, die Finanzierung nicht mehr stemmen zu können. Die Degi, eine Immobilientochter der Dresdner Bank, übernahm das Vorhaben. Die Gesamtkosten werden je nach Quelle auf 600 bis 650 Millionen Euro beziffert, den Löwenanteil trug die Dresdner Bank. Bremen selbst verlor nach übereinstimmenden Berichten von Weser-Kurier und anderen Medien mehr als 200 Millionen Euro.

Eröffnung und schnelles Ende

Nach einer Vorab-Öffnung im Dezember 2003 wurde der Space Park Bremen am 12. Februar 2004 offiziell eröffnet. Besucher konnten in einem 65 Meter hohen Fallturm in die Tiefe rauschen, auf dem Vorplatz stand ein Nachbau der Ariane-4-Rakete. Der Eintritt kostete für Erwachsene 22 Euro.

Das Publikum blieb aus. Dazu kam ein Problem, das den Park von Beginn an belastete: Für das Einkaufszentrum fand sich kein einziger Mieter. Statt Läden und Gastronomie warteten auf die Besucher leere Schaufenster. Im August 2004 zogen Senatskanzlei, Bremer Investitionsgesellschaft und Dresdner Bank die Reißleine. Ende September schloss das Space Center, rund 300 Beschäftigte verloren ihre Arbeit.

Der Senat hoffte damals noch auf einen Neustart mit erweitertem Konzept. Daraus wurde nichts. Die Ariane-Kopie verrottete jahrelang auf dem Gelände und steht heute in einem Freizeitpark in Rotterdam.

Warum der Space Park Bremen scheiterte

Zwei Gründe stechen heraus. Die Besucherprognosen lagen weit über dem, was der Space Park Bremen am Ende erreichte: Geplant waren 1,3 Millionen Gäste im Jahr, gekommen sind in sieben Monaten rund 350.000. Und das Einkaufszentrum, das den Park mitfinanzieren und beleben sollte, blieb komplett leer. Ein Erlebnispark, dessen Besucher an verschlossenen Schaufenstern vorbeigehen, verkauft sich schlecht.

Wie früh die Stimmung kippte, zeigt schon die damalige Berichterstattung. Bereits im Sommer 2004 ging es bei uns darum, dass die Dresdner Bank den Space Park nicht sofort verkaufen wollte. Und schon zur Kino-Eröffnung im Dezember 2003 gab es einen Bildungsprotest vor dem Millionenobjekt: Rund 200 Studierende kritisierten, dass Bremen Millionen in Vergnügungszentren steckte und zugleich bei der Bildung sparte.

Selbst Befürworter hatten früh gezweifelt. Wirtschaftssenator Josef Hattig soll schon 1998 gesagt haben, er würde nach heutigem Wissen nicht mehr zustimmen. Die taz fasste die Geschichte später als „Chronik eines mehrfachen Scheiterns“ zusammen.

Von der Ruine zur Waterfront

2006 kaufte die LNC Property Group das Gebäude für rund 50 Millionen Euro und baute es um. Am 12. September 2008 eröffnete dort das Einkaufszentrum Waterfront Bremen, am ersten Wochenende kamen mehr als 130.000 Besucher. 2009 folgte mit Primark die erste deutsche Filiale der Modekette. 2015 wurde die Waterfront für rund 250 Millionen Euro an eine dänische Pensionskasse verkauft, betrieben wird sie seitdem von ECE.

Einige Teile des alten Space Center werden bis heute genutzt. Das Kino Cinespace, das 2004 eröffnete, hat die Pleite überlebt und bietet elf Säle. Seit Ende 2018 gibt es außerdem einen Trampolinpark. Ganz sorgenfrei ist die Lage aber nicht: Anfang 2026 berichtete der Weser-Kurier von mehr als 20 leeren, meist kleineren Läden, während die großen Flächen vermietet sind.

Was vom Space Park bleibt

Für Bremen ist der Space Park bis heute das Lehrstück, wenn über staatlich geförderte Großprojekte gestritten wird. Er zeigt, wie schnell sich eine Stadt an eine gute Geschichte bindet und wie teuer es wird, wenn die Zahlen dahinter nicht stimmen. Das Gebäude in Gröpelingen steht noch, nur heißt es heute Waterfront. Wer dort heute einkaufen geht, ahnt meist nicht, dass hier einmal Bremens Weg in den Weltraum beginnen sollte.



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