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Euro-Office: Europa baut eigene Office-Suite gegen Microsoft

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Europäische Unternehmen entwickeln mit Euro-Office eine quelloffene Bürosoftware, die Microsoft Office und Google Workspace Konkurrenz machen soll.

Euro-Office als europäische Alternative zu Microsoft Office

Europas Griff nach digitaler Unabhängigkeit

Die Abhängigkeit europäischer Behörden und Unternehmen von amerikanischer Software ist seit Jahren ein heißes Thema. Frankreich hat Programme wie Teams, Zoom und Webex aus seinen Behörden verbannt. Schleswig-Holstein hat Microsoft Office den Rücken gekehrt. Selbst die IT-Abteilung des Bundestags arbeitet inzwischen daran, sich von US-Produkten zu lösen. In dieses Umfeld stößt jetzt ein neues Projekt: Euro-Office.

Hinter der Initiative stehen die europäischen Technologieunternehmen Nextcloud und Ionos. Ihr Ziel ist ambitioniert: Eine vollwertige Office-Suite, die als direkte Alternative zu Microsoft Office und Google Workspace funktioniert. Das Ganze soll den strengen europäischen Datenschutzrichtlinien entsprechen und die digitale Souveränität des Kontinents stärken.

Was Euro-Office bieten soll

Das Softwarepaket setzt auf OnlyOffice als technische Basis und soll die bisherigen Collabora-Angebote in Nextcloud sowie den Ionos Nextcloud Workspace ablösen. Geplant sind drei zentrale Anwendungen:

- Präsentationssoftware für professionelle Vorträge und Pitches

- Tabellenkalkulation für Datenanalyse und Finanzplanung

- Textverarbeitung für Dokumente aller Art

Damit deckt Euro-Office die klassischen Kernfunktionen ab, die Privatnutzer, Firmen und öffentliche Verwaltungen im Alltag benötigen. Die Initiatoren betonen, dass die Abhängigkeit von Cloud-Diensten aus Übersee in den vergangenen Jahren ein bedenkliches Ausmaß erreicht hat.

Open Source und Transparenz als Fundament

Der Quellcode von Euro-Office ist bereits als erste Vorschau auf Github verfügbar. Externe Entwickler können den Code einsehen, herunterladen und lokal installieren. Das Konsortium setzt bewusst auf diesen offenen Ansatz, um frühzeitig Feedback aus der Entwickler-Community einzusammeln.

Die Transparenz geht dabei über reinen Goodwill hinaus. Jeder kann nachvollziehen, wie die Software funktioniert und welche Daten sie verarbeitet. Gerade für sicherheitskritische Einsatzgebiete in Behörden und Unternehmen ist das ein entscheidender Pluspunkt gegenüber proprietären Lösungen, deren Quellcode unter Verschluss bleibt.

Die Architektur erlaubt es Nutzern außerdem, die Anwendungen wahlweise auf eigenen Servern zu betreiben oder als Cloud-Dienst zu nutzen. Staatliche Institutionen mit hohen Sicherheitsanforderungen dürften diese Flexibilität besonders schätzen.

DSGVO von Anfang an mitgedacht

Ein zentrales Verkaufsargument von Euro-Office ist der Datenschutz. Die Server für die geplante Cloud-Infrastruktur sollen ausschließlich innerhalb der Europäischen Union stehen. Das ist eine direkte Antwort auf die anhaltenden Bedenken europäischer Datenschützer, die den Datentransfer in die USA und andere Drittstaaten seit Jahren kritisch beäugen.

Die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung ist dabei kein nachträglicher Aufkleber, sondern als Grundprinzip direkt in die Entwicklung eingeflossen. Für Organisationen, die mit sensiblen Daten arbeiten, könnte das den Ausschlag geben.

OnlyOffice als Basis: Nicht ohne Kontroverse

Dass Euro-Office auf OnlyOffice aufbaut, ist technisch nachvollziehbar. OnlyOffice gilt als die Office-Alternative mit der besten Kompatibilität zu Microsoft-Dateiformaten. Gleichzeitig hat das Unternehmen hinter OnlyOffice zwar seinen Sitz in Lettland, aber historische Verbindungen nach Russland. Ionos und Nextcloud haben dazu Stellung bezogen: Der Open-Source-Code sei geprüft worden. Komponenten, die nicht quelloffen verfügbar waren, hätten die Partner nach eigenen Angaben komplett neu entwickelt.

Kompatibilität als Schlüssel zum Erfolg

In der Vergangenheit sind europäische Office-Alternativen regelmäßig an zwei Hürden gescheitert: fehlende Finanzierung und mangelnde Kompatibilität mit bestehenden Dateiformaten. Wer ein Dokument in einer alternativen Suite öffnet und die Formatierung zerschossen vorfindet, greift beim nächsten Mal wieder zu Microsoft.

Die Initiatoren von Euro-Office versprechen deshalb, dass gängige Dateiformate reibungslos importiert und exportiert werden können. Ob dieses Versprechen in der Praxis hält, wird sich zeigen. Die Wahl von OnlyOffice als technische Grundlage ist zumindest ein gutes Zeichen, denn in Kompatibilitätstests schneidet OnlyOffice traditionell besser ab als etwa LibreOffice.

Wie geht es weiter?

In den kommenden Monaten wollen die Entwickler die Software um weitere Funktionen ergänzen. Auf der Roadmap stehen unter anderem Schnittstellen zu bestehenden europäischen Cloud-Diensten. Ein festes Datum für die finale Veröffentlichung gibt es noch nicht. Branchenbeobachter rechnen damit, dass eine erste stabile Version für Endnutzer im kommenden Jahr bereitstehen könnte.

Das Projekt steht also noch am Anfang. Aber der politische Rückenwind ist so stark wie nie zuvor. Ob Euro-Office tatsächlich zur ernsthaften Alternative wird oder in der langen Liste gescheiterter europäischer Digitalprojekte landet, hängt letztlich davon ab, ob die Software im Alltag überzeugt.

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