Wann sind Terrorvögel ausgestorben? Größe und Jagd
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Sie konnten nicht fliegen, liefen schnell und jagten mit einem gewaltigen Hakenschnabel. Wie sie lebten, was sie fraßen und seit wann die Terrorvögel ausgestorben sind.
Über Millionen Jahre standen in Südamerika Vögel an der Spitze der Nahrungskette. Die Phorusrhacidae, besser bekannt als Terrorvögel, konnten nicht fliegen, liefen dafür schnell und töteten mit einem hakenförmigen Schnabel. Fest steht, dass die Terrorvögel ausgestorben sind. Wann genau, ist offener als lange gedacht, denn ein Fund aus Brasilien hat das Bild 2026 deutlich verschoben.
Wer waren die Terrorvögel?
Die Phorusrhacidae sind eine Familie großer, flugunfähiger Raubvögel. Ihr wissenschaftlicher Name setzt sich aus griechischen Wörtern für „Träger“ und „Runzeln“ zusammen. Die ältesten Funde stammen nach heutigem Stand aus dem Eozän, sind also mehr als 40 Millionen Jahre alt. Ihr Schwerpunkt lag in Südamerika, das damals lange vom übrigen Festland getrennt war. Große Raubsäuger wie Katzen oder Hunde fehlten dort, und die Vögel besetzten diese Rolle.
Eine Gattung schaffte den Sprung nach Norden. Titanis lebte in Texas und Florida, nachdem sich Nord- und Südamerika über die Landbrücke von Panama verbunden hatten.
Wie groß wurden sie?
Die Spannweite ist enorm. Kleine Arten wie Psilopterus erreichten etwa einen Meter Höhe. Zu den größten gehört Kelenken guillermoi, der vor rund 15 Millionen Jahren in Patagonien lebte. Ein Schüler namens Guillermo Aguirre-Zabala fand das Fossil bei Comallo in Argentinien, 2007 wurde die Art beschrieben. Ihr Schädel ist 71 Zentimeter lang, davon entfallen fast 46 Zentimeter auf den Schnabel. Damit hatte Kelenken den größten bekannten Kopf aller Vögel. Wie hoch das Tier insgesamt war, lässt sich aus den wenigen Knochen nur schätzen. Die Angaben reichen von gut zwei bis etwa drei Metern.
Schnabelhiebe statt Zubeißen
Wie diese Vögel jagten, haben Forscher vor allem an Schädeln untersucht. Ein Team um den argentinischen Paläontologen Federico Degrange analysierte 2010 den Schädel von Andalgalornis steulleti mit Computertomografie und Modellrechnungen. Der Vogel wog etwa 40 Kilogramm, war rund 1,40 Meter groß und lebte vor ungefähr sechs Millionen Jahren im heutigen Argentinien.
Das Ergebnis überraschte. Die Beißkraft an der Schnabelspitze lag bei nur rund 133 Newton und damit unter der vieler gleich großer Raubsäuger. Dafür war der Schädel ungewöhnlich steif, vor allem gegen Belastungen von oben nach unten. Seitliche Kräfte hielt er dagegen schlecht aus. Die Forscher schließen daraus, dass Andalgalornis den Schnabel mit kräftigen Halsmuskeln wie eine Axt in die Beute schlug, sich zurückzog und erneut zustieß. Ein langes Gerangel mit großer, wehrhafter Beute wäre für ihn riskant gewesen. Kleinere Tiere ließen sich sicherer töten. Wer die Methodik nachvollziehen will, kann die Studie jetzt im Original lesen.
Tritte und Tempo
Die Beine waren die zweite Waffe. R. Ernesto Blanco und Washington Jones berechneten 2005 aus der Stabilität der Unterschenkelknochen, wie schnell einige Arten laufen konnten. Für Patagornis kamen sie auf etwa 50 Kilometer pro Stunde, für den kleineren Mesembriornis sogar auf bis zu rund 97 Kilometer pro Stunde. Das Modell legt außerdem nahe, dass Mesembriornis mit einem Tritt die Knochen mittelgroßer Säugetiere brechen konnte. Ob er damit Beute erlegte oder an das Knochenmark kam, lässt sich aus den Knochen allein nicht entscheiden.
Der heutige Verwandte: die Seriema
Ganz verschwunden ist die Verwandtschaft nicht. Als nächste lebende Verwandte gelten die Seriemas aus Südamerika, schlanke Laufvögel von etwa 80 Zentimetern Höhe. Sie jagen Echsen, Schlangen und Nagetiere, schlagen kleine Beute auf den Boden oder gegen harte Flächen und zerlegen größere Stücke mit einer stark gebogenen Kralle an der zweiten Zehe. Paläontologen nutzen ihr Verhalten als Anhaltspunkt dafür, wie ihre riesigen Vorfahren vorgingen.
Wann sind die Terrorvögel ausgestorben?
Lange lautete die Antwort: an der Grenze vom Pliozän zum Pleistozän, vor etwa 2,5 Millionen Jahren. Blanco und Jones vermuteten 2005, dass Raubsäuger aus Nordamerika die Vögel nach der Verbindung der Kontinente verdrängten. Titanis ist in Nordamerika bis vor etwa 1,8 Millionen Jahren belegt.
Seit 2026 spricht viel dafür, dass zumindest kleine Arten erheblich länger überlebten. Brasilianische Forscher beschrieben in der Fachzeitschrift Papers in Palaeontology Eschatornis aterradora, den „letzten Terrorvogel“. Der Unterschenkelknochen stammt aus der Höhle Toca dos Ossos in Bahia und wurde per Radiokarbonmethode auf rund 25.000 Jahre datiert. Das Tier wog nur etwa sechs Kilogramm. Ein noch jüngerer Fund aus Uruguay gilt als zweifelhaft, weil die Datierung methodisch umstritten ist. Als diese kleinen Arten lebten, waren die großen Terrorvögel ausgestorben, und zwar seit über zwei Millionen Jahren.
Neue Funde aus Kolumbien
Wie wenig über die Gruppe bekannt ist, zeigt ein Fund aus der Tatacoa-Wüste in Kolumbien. Der Fossiliensammler César Perdomo entdeckte dort vor rund zwanzig Jahren einen Beinknochen, erst 2023 wurde er als Teil eines Terrorvogels erkannt. Die Studie erschien 2024 in Papers in Palaeontology. Der etwa zwölf Millionen Jahre alte Vogel war wohl 5 bis 20 Prozent größer als alle bisher bekannten Arten. Es ist zugleich der nördlichste Nachweis in Südamerika. Auf dem Knochen fanden sich Bissspuren eines riesigen Kaimans der Gattung Purussaurus, an denen der Vogel vermutlich starb.
Häufige Fragen
Seit wann sind Terrorvögel ausgestorben?
Die großen Arten verschwanden vor etwa zwei bis drei Millionen Jahren. Kleine Formen lebten in Südamerika noch vor rund 25.000 Jahren, wie ein direkt datierter Fund aus Brasilien zeigt.
Konnten Terrorvögel fliegen?
Nein. Ihre Flügel waren zurückgebildet. Dafür hatten sie lange, kräftige Beine und konnten nach Modellrechnungen sehr schnell laufen.
Gibt es heute noch Verwandte?
Ja, die Seriemas in Südamerika gelten als nächste lebende Verwandte. Sie sind deutlich kleiner, jagen aber auf ähnliche Weise.
vögel beute traten riesige
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