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Kopfschmerzen beim Sex: Ursachen und Warnzeichen

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Ein plötzlicher, heftiger Schmerz im Kopf kurz vor oder beim Orgasmus erschreckt. Kopfschmerzen beim Sex sind meist gutartig. Beim ersten Mal gehören sie trotzdem sofort ärztlich abgeklärt.

Frau sitzt in einem hellen Sprechzimmer einer Arztpraxis und hält sich die Hand an die Schläfe, darüber der Schriftzug Plötzlicher Kopfschmerz

Was hinter Kopfschmerzen beim Sex steckt

Kopfschmerzen beim Sex haben in der internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 einen eigenen Eintrag: 4.3, primärer Kopfschmerz bei sexueller Aktivität. Primär heißt, dass keine andere Erkrankung dahintersteckt. Typisch ist ein dumpfer Schmerz auf beiden Seiten des Kopfes, der mit der Erregung zunimmt und sich beim Orgasmus schlagartig verstärkt. Bei anderen setzt er ohne Vorlauf explosionsartig im Moment des Höhepunkts ein.

Früher unterschied man zwei Formen, den Präorgasmus- und den Orgasmuskopfschmerz. Klinische Studien konnten beide aber nicht sauber voneinander trennen. Die ICHD-3 fasst sie deshalb als ein Krankheitsbild mit unterschiedlichen Erscheinungsformen zusammen.

Die Kriterien der ICHD-3

Für die Diagnose verlangt die Klassifikation mindestens zwei Schmerzepisoden in Kopf oder Nacken, die durch sexuelle Aktivität ausgelöst werden und nur dabei auftreten. Starke Schmerzen dauern zwischen einer Minute und 24 Stunden, leichtere bis zu 72 Stunden. Bewusstseinstrübung, Erbrechen, Seh-, Gefühls- oder Bewegungsstörungen gehören nicht zum Bild. Wer nur eine einzige Attacke hatte, bekommt die Diagnose eines wahrscheinlichen primären Kopfschmerzes bei sexueller Aktivität. Wer die Definition genau nachlesen möchte, kann die ICHD-3-Kriterien jetzt im Wortlaut lesen.

Wie häufig ist das, und wen trifft es?

In der bisher einzigen bevölkerungsbezogenen Studie lag die Lebenszeitprävalenz bei etwa einem Prozent. Vermutlich ist die Zahl eher zu niedrig, weil viele Betroffene aus Scham nicht darüber sprechen. Männer sind häufiger betroffen, die ICHD-3 nennt ein Verhältnis zwischen 1,2 zu 1 und 3 zu 1. Die Münsteraner Kopfschmerzforscher Achim Frese und Stefan Evers fanden zwei Altersgipfel für die erste Attacke: zwischen 20 und 24 Jahren und zwischen 35 und 44 Jahren.

Die Art der sexuellen Aktivität spielt keine Rolle, auch Selbstbefriedigung kann den Schmerz auslösen. Viele Betroffene haben zusätzlich andere Kopfschmerzformen, etwa Migräne oder Kopfschmerzen bei körperlicher Anstrengung.

Verlauf: meist in Phasen

Bei etwa zwei Dritteln treten die Kopfschmerzen beim Sex gehäuft in Phasen auf. In der Auswertung von Frese und Evers dauerten diese im Mittel gut drei Monate, mal nur zwei Tage, mal anderthalb Jahre. Kam später eine zweite Phase, lagen im Schnitt fast zwei Jahre Ruhe dazwischen. Laut ICHD-3 verläuft der Kopfschmerz in bis zu 40 Prozent der Fälle chronisch über mehr als ein Jahr. Bleibende Schäden wurden auch bei langem Verlauf nicht beobachtet.

Wann Kopfschmerzen beim Sex ein Notfall sind

Der erste explosionsartige Kopfschmerz beim Sex ist ein Grund, sofort den Notruf 112 zu wählen oder in die Notaufnahme zu fahren. Ein solcher Donnerschlagkopfschmerz, der innerhalb von Sekunden seine volle Stärke erreicht, kann auch von einer Subarachnoidalblutung stammen, etwa durch ein geplatztes Aneurysma. Nach Angaben von Evers beginnen rund 4 bis 12 Prozent dieser Blutungen während sexueller Aktivität. Weitere mögliche Ursachen sind ein Einriss in der Wand einer Hals- oder Wirbelarterie, die Dissektion, und das reversible zerebrale Vasokonstriktionssyndrom, kurz RCVS. Dabei verengen sich Hirngefäße vorübergehend, typisch sind wiederholte Donnerschlagkopfschmerzen.

Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie auch bei diesen Warnzeichen:

Diagnostik beim ersten Auftreten

Die ICHD-3 schreibt vor, beim ersten Auftreten eine Subarachnoidalblutung, eine Dissektion und ein RCVS auszuschließen. Dazu gehören eine neurologische Untersuchung und eine Computertomographie des Kopfes. Ist das CT unauffällig, der Verdacht auf eine Blutung aber begründet, folgt eine Lumbalpunktion. Die Gefäße werden per CT- oder MR-Angiographie oder Ultraschall dargestellt. Mehrere explosive Attacken gelten nach ICHD-3 so lange als RCVS, bis eine Gefäßdarstellung das widerlegt. Weil sich die Verengung im frühen Stadium noch nicht zeigen muss, kann eine zweite Untersuchung nötig sein.

Behandlung und Vorbeugung

Nach der Abklärung hilft vielen schon die Gewissheit, dass der Schmerz gutartig ist. Gewöhnliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol bringen nach Beginn einer Attacke meist wenig. Etwa 40 Prozent der Betroffenen können den Schmerz beenden, indem sie die sexuelle Aktivität abbrechen, rund die Hälfte lindert ihn mit einer passiveren Rolle. Nach einer Attacke rät Evers, mit Sex zu warten, bis man wieder völlig beschwerdefrei ist, weil sonst stärkere Rückfälle drohen.

Reicht das nicht, kommt eine Vorbeugung infrage. In einer kleinen Fallserie half das Schmerzmittel Indometacin, kurz vor dem Sex eingenommen, sieben von acht Patienten gut. Dosis und Verträglichkeit gehören in ärztliche Hand. Auch Triptane werden vorbeugend eingesetzt. Bei häufigen Attacken über längere Zeit kann ein Betablocker wie Propranolol dauerhaft eingenommen werden. Die Belege stammen aus Fallserien, große Studien gibt es nicht. Welches Mittel passt, klärt eine Neurologin oder ein Neurologe. Wer wiederkehrende Kopfschmerzen beim Sex hat, sollte sich dort ohnehin vorstellen.

Häufige Fragen

Sind Kopfschmerzen beim Sex gefährlich?

Meist nicht. Gefährlich wird es, wenn eine Hirnblutung, eine Gefäßverletzung oder ein RCVS dahintersteckt. Das lässt sich nur mit Untersuchung und Bildgebung klären, deshalb gehört die erste Attacke in ärztliche Hände.

Gehen die Beschwerden von selbst wieder weg?

Häufig ja. Die meisten Betroffenen haben Phasen von Wochen bis Monaten, danach oft lange Ruhe. Bei einem Teil hält das Problem aber über Jahre an.

Hat Bluthochdruck etwas damit zu tun?

Weniger, als lange vermutet wurde. In der Münsteraner Auswertung hatten nur 18 Prozent der Betroffenen Bluthochdruck. Ihr Blutdruck steigt unter Belastung allerdings stärker an als bei Gesunden.



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