Bundesanwaltschaft ermittelt in rätselhaftem Entführungsfall

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In dem rätselhaften Entführungsfall eines angeblichen Deutschen im Irak hat Generalbundesanwalt Kai Nehm die Ermittlungen übernommen. Er leitete ein Verfahren wegen versuchter Nötigung von Verfassungsorganen ein. Nach Informationen des SPIEGEL geht es den mutmaßlichen Entführern möglicherweise um Geld.

 

Mit weiteren Ermittlungen, die sich noch gegen Unbekannt richteten, werde das Bundeskriminalamt beauftragt, erklärte Nehms Sprecherin Frauke-Katrin Scheuten in Karlsruhe. Der Generalbundesanwaltschaft war nach eigenen Angaben am Dienstag auf den Fall aufmerksam geworden.

Gestern ging im Bagdader Büro des US-Magazins "Time" anonym ein Video ein, das die Nachrichtenagentur AP einsehen konnte. Der Entführte erklärt in dem Video, er heiße Hassan al Sajdi und habe einen deutschen Pass. Seine mutmaßlichen Entführer fordern darin die Bundesregierung auf, alle Muslime freizulassen und ihre Sicherheitszusammenarbeit mit der "ungläubigen Regierung im Irak" zu beenden. Der Verdacht auf Nötigung von Verfassungsorganen liegt vor, wenn beispielsweise die Bundesregierung durch eine Entführung unter Druck gesetzt werden soll.

Berliner Regierungskreise hatten bisher keine Anhaltspunkte, dass der Mann tatsächlich Deutscher ist. Auch die deutsche Botschaft in Bagdad untersucht den Fall, wie es im Auswärtigen Amt hieß. Nach Medieninformationen hatte der Mann Kontakt zu den Besetzern der irakischen Botschaft in Berlin 2002.

Radio Bremen berichtete, der betreffende Mann habe seit 1998 in Bremen gelebt. Er sei 1997 nach Deutschland eingereist und ein Jahr später als Asylbewerber anerkannt worden. Nach dem Sturz Saddam Husseins im vergangenen Jahr habe er diesen Status verloren. Dagegen habe er Klage eingereicht. Ein Sprecher des Bremer Innensenators Thomas Röwekamp sagte dem Rundfunksender zufolge, der Mann sei noch in Bremen gemeldet.

Nach Informationen des SPIEGEL hält das angebliche Entführungsopfer in dem Video als Ausweis ein Dokument in die Kamera, bei dem es sich anscheinend um eine BahnCard aus dem Jahr 2003 handelt. Sajdi war den Behörden demzufolge schon früher durch mögliche Kontakte zu einer Gruppe von Rebellen um den Exil-Iraker Mithal al Alusi aufgefallen. Die Gruppe habe im August 2002 die irakische Botschaft in Berlin gestürmt und die Diplomaten des Saddam-Regimes bedroht. Der unbekannte Name der Entführer-Gruppe spricht gegen eine Beteiligung von Terrornetzwerken in dem Fall. Den mutmaßlichen Entführern könnte es um Geld gehen.

Im Irak wurden schon mehr als 200 Ausländer entführt und über 30 von ihnen getötet.

Quelle: spiegel.de

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