Mehr Bildung braucht das Kind

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Die Kindergarten-Pisa-Studie fordert eine Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher auf Hochschulniveau - wie sie in vielen Ländern gang und gebe ist, in Großbritannien, in Neuseeland und in Australien, in skandinavischen Ländern oder in Italien.

 

Als erste bundesdeutsche Hochschule bietet nun die Universität Bremen ein weiterbildendes Studium "Frühkindliche Bildung" an. Der erste Durchgang mit 50 Teilnehmern ist im August gestartet und dauert zwei Jahre.

Ilse Wehrmann hat viele Länder bereist, in denen die Erzieherinnenausbildung bereits an Hochschulen stattfindet, und konnte sich vom Stellenwert überzeugen, den die frühkindliche Förderung dort genießt. Die Vorsitzende der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder erfuhr etwa in Australien, dass dort jede Erzieherin wöchentlich zweieinhalb Stunden Zeit hat, die Lernfortschritte der Kinder zu dokumentieren und zu analysieren. Denn gerade im Vorschulalter würden die Weichen für das spätere Lernverhalten gestellt.

Alle Hirnforscher sagen, die ersten sieben Jahre sind ganz entscheidend. Das haben andere Länder erkannt, aber in Deutschland passiert nichts. Eine deutsche Erzieherin mit ihrer Ausbildung kann in allen anderen europäischen Ländern nur als Hilfskraft arbeiten. Daran wird deutlich, dass wir deshalb in der OECD-Studie so schlecht abgeschnitten haben, weil die derzeitige Ausbildung nicht ausreicht.

Als erste Hochschule in Deutschland hat die Universität Bremen reagiert. Das weiterbildende Studium "Frühkindliche Bildung" bietet Erzieherinnen mit langjähriger Praxis, aber ohne Abitur die Chance, sich auf Universitätsniveau fortzubilden. Das Studium dauert zwei Jahre und umfasst 420 Unterrichtsstunden. 3500 Euro kostet die Weiterbildung. Josefine Hammer hatte Glück. Der 34jährigen pädagogischen Fachkraft zahlt ihr Arbeitgeber, die Evangelische Kirche in Bremen, zwei Drittel der Studiengebühren.

Wir sind breit ausgebildet worden, aber nicht in die Tiefe. Uns fehlt die Tiefe, uns fehlt das Wissen für die Kinder mit Migrantenhintergrund, zur Sprachförderung, da sind wir nicht genügend ausgebildet. Deshalb würde ich jeder Erzieherin raten, diese Ausbildung hier zu tun.

Die Universität Bremen stellt wissenschaftliche und theoretische Hintergründe stärker in den Mittelpunkt der von ihr angebotenen Weiterbildung. Ursula Carle, Professorin aus dem Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften, erläutert den Erzieherinnen, wie sich Kinder auf neue Lebensabschnitte einstellen, wie sie sich verhalten, wenn sie in den Kindergarten kommen oder wenn sie vom Kindergarten in die Schule wechseln.

Wie kann man lernen, Übergänge gut zu bewältigen, wie erlernt man Übergangskompetenz. Die Erzieherin muss einen Blick darauf werfen, wie die Kinder diese Übergänge immer besser bewältigen können. Aber sie wissen wenig über die Hintergründe. Die Erzieher wollen den Stand der Wissenschaft kennen lernen.

Frühkindliche Bildung ist an deutschen Hochschulen so gut wie unbekannt. Gerade einmal fünf Lehrstühle gibt es in Deutschland. Einen hat Professor Wolfgang Tietze inne. Er lehrt an der Freien Universität Berlin Kleinkindpädagogik und fragt sich, ob es tatsächlich sinnvoll sei, wenn Erzieherinnen wissenschaftlich-theoretisch geschult werden und fähig seien, Forschungsergebnisse kritisch zu lesen.

Die schlichte Anhebung der formalen Bildung der Erzieherinnen löst nicht das Problem. Das zeigen Studien in den USA, wo ein Bachelor nicht unbedingt die Qualität steigert, wenn nicht gezielte Kenntnisse im Umgang mit Kindern im Studium eingeübt werden.

Über die Frage, ob Erzieherinnen wissenschaftstheoretisch ausgebildet werden müssen, lässt sich streiten. Für Ilse Wehrmann, Vorsitzende der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder und Mitinitiatorin des Bremer Weiterbildungsangebots, ist ohnehin ein anderer Aspekt zunächst wichtiger.

Es gab auch Bewerber, die ihre Anmeldung zurückgezogen haben, obwohl sie ihrem Arbeitgeber angeboten haben, ihren gesamten Jahresurlaub für das Studium zu nehmen, dies trotzdem nicht gestatten bekommen haben.

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